Freundeskreis historisches Ihringshausen e.V.
Freundeskreis historisches Ihringshausen e.V.

Aus dem „Dinner for One“ machen wir ein Fest für Groß und Klein

Wir feiern den 90. Geburtstag der Märchenmühle

1926 erbaute Louis Becker seine Märchenmühle, die mit ihren kleinen Fachwerkhäuschen, Mühlen und dem darum fließenden Bach wie ein Dorf in den Berg anmutete. Viele ältere Fuldataler können sich noch an den „Märchenbecker“ und seine Mühle erinnern, denn früher war die Märchenmühle ein beliebtes Ausflugsziel für Groß und Klein. Versorgt wurde man durch einen Kiosk mit kleiner Gastronomie von Louis und Lina Becker. Familien konnten ihren Kaffee mitbringen und vor Ort kochen. Noch heute wird der Spruch „Familien können hier Kaffee kochen“ mit der Märchenmühle verbunden.


Die Märchenmühle mit dem Miniaturdörfchen wurde auch über Kassels Grenzen bekannt und lockte Wanderer in das beschauliche Fuldatal. Nach 36 Jahren der liebevollen und sicherlich nicht leichten Arbeit, gab Louis Becker den Wirtschaftsbetrieb zugunsten seiner Mühle auf. Er starb Ende 1966 im Alter von 75 Jahren nach langer Krankheit.
Nachdem die Märchenmühle in den 1970er Jahren durch Vandalismus zerstört wurde, nahmen sich die ortsansässigen Vereine und die freiwillige Feuerwehr ihrer an und bauten sie erneut auf. Wenige Jahre später wurde sie endgültig zerstört. Auf dem Gelände der ehemaligen Märchenmühle wurde daraufhin eine Grillhütte errichtet, die ihren Namen trägt.

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Beiträge zur Schulgeschichte und Heimatkunde von Ihringshausen

Ein weiterer Baustein Ihringshäuser Geschichte ist vollständig.
Der Ihringshäuser Volksschullehrer und Rektor der Grundschule Simmershausen Otto Erkelenz hat sich zwei Jahrzehnte mit der Schulgeschichte Ihringshausens beschäftigt und Unterlagen, Quellen und Archive gesichtet. Seine Arbeitsergebnisse in drei Bänden wurden durch seine Ehefrau Anna-Maria Erkelenz dem Freundeskreis historisches Ihringshausen zur Verfügung gestellt. Die Gliederung in die drei Bände „Von den Anfängen bis 1933“, „Schule von 1933 bis 1945“ und „die Ihringshäuser Volksschule nach 1945“ markieren auch geschichtlich drei wichtige Abschnitte.
Fast drei Jahrhunderte Entwicklungen einer Dorfschule, beeinflusst durch örtliche Begebenheiten und historische Ereignisse, sind hier gesammelt, dokumentiert und mit Belegen versehen worden. Ebenso finden sich in ihnen Dokumente, Briefe und Fotos, die tiefe Einblicke in die Lebensumstände und Gedankenwelt betroffener Personen zulassen. Auszugsweise kann man die Geschichte in dem Buch „Schule in Fuldatal“( herausgegeben vom Arbeitskreis Heimatmuseum in Simmershausen) nachlesen.
Das Archiv des Freundeskreises historisches Ihringshausen ermöglicht die fachgerechte Aufbewahrung und kann Interessierten nach Rücksprache Einsicht in den Fundus gewähren.
Wir bedanken uns bei Frau Anna-Maria Erkelenz für die Übereignung der bedeutsamen Aufzeichnungen ihres Ehemannes Otto Erkelenz.
(DR)

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Infos zum Vortrag am 19.4.2013 über den Wehrkreissanitätspark IX

In seinem Buch "Ihringshausen, die Geschichte eines Kassler Vorortes", widmet der Verfasser Johannes Bickel dem Wehrkreissanitätspark IX auf der Eichhecke einen Abschnitt über die Arbeit und die Leistungen dieser Anlage.
Bild: Archiv Rösch
„Nach dem Wegzug der AG Hahn für Optik und Mechanik von Ihringshausen erwarb der Militärfiskus die Werksanlagen und richtete darin den Wehrkreissanitätspark IX ein.“
Bild: Archiv Rösch

Unter Aufsicht bereitete das Hilfspersonal - überwiegend Frauen - die Arzneien zu und machte sie versandfähig.

„Die Aufgabe bestand darin, in Friedens-und Kriegszeiten eine bestimmte abgegrenzte Zahl Truppenteile, Verbandsplätze und Lazarette für ihren Sanitätsdienst mit den erforderlichen Verbandsstoffen, Arzneien und orthopädischen Hilfsmitteln zu versehen.“
Der WKS IX stand unter dem Schutz des „Roten Kreuz“.
Etwas abseits gelegen ist er während der Kriegsjahre von Fliegerangriffen verschont geblieben.“
Die bei Kriegsende noch vorhandenen reichlichen Lagerbestände fielen den einrückenden Amerikanern in die Hände. Sie haben davon - auch im Interesse der deutschen Bevölkerung -sachgemäß Gebrauch gemacht“.
(Bickel, Seite 190)
HNA
Wo zuletzt eine Pelzveredelung untergebracht war, wurden zunächst Schlösser erfunden, Segelflugzeuge gebaut und Medikamente hergestellt.

                         Der Wehrkreissanitätspark WSP IX auf der Eichhecke

Bild: Archiv Rösch (wahrscheinlich Wache am Eingang mit einem der Apotheker in Zivil)
In der Zeit von 1933 und auch noch nach 1942 war in den Industriebauten an der Eichhecke der Wehrkreissanitätspark IX eingerichtet.
Dr. Bernhard Müller, der ehemalige Leiter der Bundeswehrapotheke (1993-1997)in der Fritz-Erler Kaserne, schrieb über die Milirärpharmazie seine Dissertation und stieß dabei bei den Nachforschungen auf das Kapitel Ihringshausen.
Mehr als zwölf Sanitätsparks und Wehrkeissanitätsparks gab es nach Kenntnis des Pharmazeuten während dieser Zeit.
Welche Bedeutung dem Standort Ihringshausen zukam, lässt sich an seiner Größe ablesen.
So gehörte nach Aussage von Dr. Müller zum WSP, eine Arzneimittel-, eine Verbandsmittel-, und Geräteabteilung sowie eine chemische Untersuchungsstelle und die Verwaltung.
Geleitet wurde der Park, nach Recherchen Müllers von einem Oberfeldapotheker.
Hinzu kamen 20 Zivilangestellte und etwa 100 Arbeiter und Arbeiterinnen.
Hauptaufgabe des WSP war es, Sanitätsmittel anzufertigen und bereitzustellen. (Quelle HNA)
Instrumentenschleiferei, Chirurgische Instrumente
Verbandmittelabteilung, Mullbindenwickelmaschine
(Klaus Rösch)

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Infos zum Vortrag über die Firma Petzold am 24.8.2012

Wenn man im Dorf das Wort „Firma Petzold“ und damit die Pelzveredelungsproduktion anspricht, reagieren die Menschen sehr unterschiedlich.Von „noch nie von gehört“ bis „Stinkbude“ oder „Umweltver-schmutzung“ ist die Rede.
Bild 74, Archiv Rösch
Bild 80, Archiv Rösch
Was weiß man wirklich über diese ehemalige Firma auf der Eichhecke in Ihringshausen, deren Restbauten noch heute weit sichtbar sind?
Ist bekannt, dass diese Firma mehr als 250 Menschen Arbeit gab und somit zum damals größten Arbeitgeber in Ihringshausen wurde?
Weiß man, welche Altlasten wirklich vorhanden sind?
Bild 71, Archiv Rösch
Bild 60, Archiv Rösch
Die Firmengründung erfolgte bereits im Jahr 1879 in Leipzig-Schönau durch Adolf Petzold, den Großvater des in Fuldatal bekannten Alfred Petzold. Aus kleinsten Anfängen entwickelte sich in Leipzig ein stattliches Unternehmen, in der Rauchwarenbranche bestens bekannt unter dem Firmenlogo „LAPS“.
Der Wagen vom Chef, Foto Archiv Viereck
Adolf Petzold, Foto Archiv Viereck
Nach den Wirren des 2. Weltkrieges sah man in Leipzig keine Perspektive mehr und suchte im Westen ein neues Domizil. Man fand dies in 1946 in den Gebäuden der ehemaligen Fabrik Hahn – während des Krieges genutzt als Wehrkreissanitätspark – in Ihringshausen an der Eichhecke.
Unter Überwindung der in der damaligen Zeit bestehenden Schwierigkeiten konnte man einen Teil der Maschinen und Einrichtungen von der russischen Besatzungszone in den Westen transportieren und hier mit der Pelzveredelungsproduktion beginnen. Dies war u.a. auch dadurch möglich, dass ein Teil der Mitarbeiter aus Leipzig folgte und in Ihringshausen eine neue Existenz fand.
Bereits in den ersten Jahren entwickelte sich der Betrieb an neuer Stätte, unter der Leitung des Enkels des Firmengründers, Alfred Petzold, zum größten Arbeitgeber in Ihringshausen

Bilder (Archiv FKhI) aus der Produktion:

In den 1950er Jahren stieg die Mitarbeiterzahl auf 250 Personen. In Frankfurt/ Main eröffnete man ein Vertriebsbüro.
Ausstellungsstand auf der Messe in Frankfurt, Foto Archiv Viereck
Die größten Investitionen erfolgten in den 1960er Jahren indem man die Gebäude von der Bundesvermögensstelle kaufte und eine Kläranlage baute.
Der enorm große Wasserbedarf wurde aus einem betriebseigenen Tiefbrunnen, der sich auf dem Firmengelände befand, gedeckt. In 1974/75 kam es aufgrund des Einsatzes eines neuen Gerbstoffes zu einem größeren Veredelungsschaden. Dieser führte letztlich dazu, dass im Januar 1976 Konkurs angemeldet werden musste und eine fast 100jährige Firmengeschichte zu Ende ging.
(Textauszug –Spaziergang durch Ihringshausen, Januar 2012 von Lothar Viereck )
Referent Lothar Viereck, Foto Rösch
Gebäude der Firma Petzold 2011, Foto Rösch

Autor des Buches "Pelzveredelung Adolf Petzold GmbH", Bd. 6 der Schriftenreihe des FKhI (siehe "Publikationen")

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Bergbau in Ihringshausen
1964 ging eine 143-jährige Bergbaugeschichte in Ihringshausen zu Ende
Als Werner Henschel, Sohn des Kasseler Stück- und Glockengießers Georg Christian Carl Henschel, am 16. November 1820 ein Gesuch zur Erteilung eines Mut- und Schürfscheines für die Feldmarken Kassel, Wolfsanger und Ihringshausen bei der kurfürstlichen Oberrentkammer einreichte, konnte er wohl kaum ahnen, welche wirtschaftliche Bedeutung dies für die Region einmal haben sollte. Mit der Gründung der Braunkohlenzeche auf dem Möncheberg begann eine mehr als 140-jährige Bergbaugeschichte in Ihringshausen.
Am 3. November 1963 wurde die letzte von rund 15 Millionen Tonnen Braunkohle zu Tage gebracht. Allein 6 Millionen Tonnen konnten während des 143 Jahre währenden Bergbaus im Tagebau gewonnen werden. Mit der Sprengung des ehemaligen Betriebsschornsteins, der als Wahrzeichen von Ihringshausen galt, verschwand auch der letzte sichtbare Rest der Möncheberger Industrieanlage für immer.
Im Fuldataler Heimatmuseum sind noch zahlreiche Fotos und Dokumente aus der Geschichte der Braunkohlen- und Ziegelwerke zu sehen.
(Regio-Wiki,Kassel-Lexikon)
Türstockausbau
Förderwagen
(Bildmaterial aus Wikipedia, die freie Enzyklopädie)
Als Bergbau bezeichnet man die Aufsuchung, Erschließung, Gewinnung und die Aufbereitung von Bodenschätzen aus der oberen
Erdkruste unter Nutzung von technischen Anlagen und Hilfsmitteln
(Wikipedia)

                                           Auch ein Bergmann braucht einmal seine Ruhe

Als "Bergmannsklo" bezeichneter Abortkübel
(Wikipedia)

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Georg Höhmann - ein fast vergessener Maler
HNA 10.01.11 Ahne, Espe, Fulda
Fuldatal. Es ist eine Initiative gegen das Vergessen. Die Erinnerung an den Maler will Bernd Schmidt vom Freundeskreis historisches Ihringshausen wachhalten.
Ein neues Werk: Mit seinem Buch erinnert Bernd Schmidt an Georg Höhmann.
Lesen Sie auch: (Link zum Artikel in der HNA)
Nach einer Ausstellung im Fuldataler Rathaus 2003 zum 30. Todestag des Künstlers sei die Idee entstanden, sagt der gelernte Schriftsetzer Schmidt. Eigentlich wollte er nur ein Faltblatt erstellen, jetzt ist ein 135 Seiten dickes Buch daraus geworden.
Von der Idee bis zum gedruckten Werk „Georg Höhmann – Ein Maler aus Ihringshausen“ vergingen siebeneinhalb Jahre. Als Grundlage diente das Bildmaterial von der Ausstellung im Rathaus. Ab 2005 habe er sich an die konkrete Arbeit gemacht, sagt Schmidt und war dabei auch auf die Internetseite www.georg-hoehmann.de gestoßen.
Mutter mit Kind: Das Ölgemälde auf Holz dürfte Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sein.Diese betreibt der Essener Klaus Lotz seit jetzt zehn Jahren. Der Lehrer für Mathe und Musik ist kunstinteressiert. Den Schwerpunkt seiner Sammlung bilden Werke von Georg Höhmann, „der kunsthistorisch noch unerforscht ist“, sagt Lotz. Dabei sei das Schaffen des Ihringshäuser Malers herausragend und durchaus mit Picasso vergleichbar. „Ich rede von der Bandbreite der Arbeit.“
Klaus Lotz stellte Bilder aus seiner Sammlung für das Buch zur Verfügung. Schmidt machte sich auf die Suche nach weiteren Werken des Malers. „Ich war überrascht, wie viele Bilder von Höhmann noch in Fuldataler Haushalten zu finden sind.“ Oft traf Schmidt auf die Kragenhöfer Brücke als Motiv. Solche Bilder habe der finanziell oft sehr klamme Maler als Gastgeschenk für eine Einladung zum Essen mitgebracht.
Das Gesammelte an Motiven und Texten stellte Bernd Schmidt zusammen. Der 59-Jährige besitzt nur ein nicht gegenständliches Bild von Höhmann, mit dem er eigentlich nicht viel anfangen könne. Von Kunst habe er sowieso weniger Ahnung, räumt der Hobbyhistoriker ein.
Eine Monotypie: Das Bild „Öl auf Speisekarte“ entstand 1966, die letzten Arbeiten Höhmanns datieren von 1969. Repro: Schmidt/HNASo half der Essener Experte, die Bilder und Texte in eine chronologische Reihenfolge zu bringen. 95 Prozent der Arbeiten Höhmanns seien undatiert. Daher ließen sich die Bilder nur einordnen, „wenn man sich mit dem Werk auskennt“, sagt Lotz.
Schließlich wurden zwei Bücher als Probedrucke erstellt und überarbeitet. In kleiner Auflage schließlich das Buch im Laserdruck erstellt. Anders wäre es nicht bezahlbar gewesen, sagt Schmidt.
Hintergrund: Das Buch über den Maler
Das Buch „Georg Höhmann – Ein Ihringshäuser Maler“ von Bernd Schmidt und Klaus Lotz für den Feundeskreis historisches Ihringshausen wird mit einer kleiner Ausstellung seiner Werke beim Neujahrsempfang des Handwerker- und Gewerbevereins Fuldatal am Samstag, 15. Januar, ab 16 Uhr, und am Sonntag, 16. Januar, von 11 bis 17 Uhr im FuldaTalerForum vorgestellt. Das Buch ist bei Bernd Schmidt für 75 Euro zu beziehen, Telefon 05 61/81 79 71. (mic)
Biografie
Georg Höhmann wird am 27. Mai 1884 als uneheliches Kind geboren. Nach einer Malerlehre geht er auf Wanderschaft, studiert Kunst in St. Gallen, München und Kassel. Im 1. Weltkrieg wird er schwer verwundet. Er arbeitet ab 1922 in eigenen Ateliers in Kassel, dann Ihringshausen. Dort stirbt er am 11. Mai 1973.
Sammler Klaus Lotz über den Maler Georg Höhmann
HNA 10.01.11 Ahne, Espe, Fulda
Das Interesse an Monotypien brachte Klaus Lotz auf die Spur Georg Höhmanns. Es handelt sich um Bilder, die zum Beispiel auf Glas gemalt und dann auf Papier gedruckt werden. Mit dieser Technik hatte sich Höhmann von 1957 bis 1969 ausschließlich befasst. „Das hat meines Wissens kein Maler so systematisch betrieben“, sagt der 59-jährige Lehrer aus Essen.
Besitzen Bilder von Höhmann: Elfriede Kniep (Nichte von Höhmann) mit dem Bild „Hofbleiche mit Weinberg“ von 1926 mit der Henschelvilla im Hintergrund und Klaus Lotz (rechts) mit einer Monotypie von 1957.
Seine Recherche führte ihn zur Familie Kniep in Ihringshausen. In seinem Geburtsort hatte Höhmann seine letzten Jahre gelebt. Nahe seiner Stiefschwester Martha Rumpf, die sich wie andere Familienmitglieder um den gesundheitlich angeschlagenen Maler kümmerte. „Bei uns ist er auch 1973 gestorben“, sagt Elfriede Kniep, Tochter von Martha Rumpf und Nichte des Malers.
Lesen Sie auch: (Link zum Artikel in der HNA)
Im Atelier des Künstlers an der Kasseler Schönen Aussicht sei sie als kleines Kind noch Anfang der 30er-Jahre gewesen, sagt die 81-Jährige. Anschließend verlegte der Künstler seine Wirkungsstätte nach Ihringshausen. Dort hatte die Gemeinde ihm ein Grundstück zur Verfügung gestellt. Er baute dort ein Holzhaus mit Atelier, heute das Vereinsheim des Kaninchenzuchtvereins K 48. In seinen letzten Jahren habe sie ihren Onkel nur an Sonntagen gesehen, „wenn er zum Essen kam“, sagt Elfriede Kniep.
Mit den nicht gegenständlichen Werken wie den Monotypien kann die Seniorin wenig anfangen. Ihr Onkel habe gesagt, bei den abstrakten Bildern „muss man einen roten Faden suchen. Ich habe nie einen gefunden“, sagt die Seniorin.
Von Familie Kniep kaufte Lotz Anfang dieses Jahrhunderts einen Großteil der noch vorhandenen Werke Höhmanns. Das Interesse an dem Ihringshäuser Maler machte den Essener zum Höhmann-Experten. Und der räumt auf mit einer weit verbreiteten Ansicht, die den Künstler in die Nähe der Nazis rückt.
Das Gegenteil sei der Fall. So schreibt Höhmann 1933 in einem Brief: „Seht euch die Richtungsmacher an, prüft, ob sie wirklich etwas geben. Ich kämpfe stets für das Neue – aber nicht für die Diktatur des Neuen.“
1934 sei Höhmann eine Professur in München angeboten worden, Bedingung: Eintritt in die NSDAP. Höhmann lehnte ab und wusste, dass damit seine Karriere beendet war, Anerkennung und Erfolg blieben ihm verwehrt, sagt Lotz.
Lotz lobt die Vielfältigkeit des Einzelgängers, der „mit Geld nichts am Hut hatte“, sich oft durchschlagen musste und „mit seinen Bildern verheiratet war“.
So reiche die Bandbreite Höhmanns von der Darstellung der heilen Welt im Stil des 19. Jahrhunderts über Landschaftsmalerei bis zur Befreiung der Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der informellen Malerei, die mit dem Zufall arbeitete.
Klaus Lotz hatte seinerzeit den Anstoß für die Ausstellung in Fuldatal zum 30. Todestag des Künstlers gegeben. Wegen seiner Hilfe setzte ihn Bernd Schmidt als Co-Autor mit auf den Buchtitel

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Aus "Fuldatal Aktuell" vom 10.04.2010 14/10
Ehrenbürger und Bürgermeister i.R. Johannes Bickel in gefährlicher Mission
Vor wenigen Tagen jährten sich die Vorgänge zum 65sten Male: Am 4. April 1945 rückten alliierte Truppen der Amerikaner von Kassel kommend auf den Ort Ihringshausen vor. Der Zweite Weltkrieg neigte sich für unsere Eltern und Großeltern dem Ende zu. Gut einen Monat später, am 8. Mai, wurde dann die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht unterzeichnet.
Ihringshausen lag in der Nacht vom 3. zum 4. April unter stetigem, fast pausenlosem Artilleriebeschuss. Versprengte deutsche Truppenteile zogen sich über die Reichsstraße 3 nordwärts zurück. Die Bevölkerung harrte in Luftschutzstollen und Kellern aus. In den Tagen zuvor war eine auf rotem Papier gedruckte Bekanntmachung des Reichsführers der SS, Himmler, ausgehängt worden, der jedes Hissen weißer Fahnen bei Herannahen des Feindes bei Todesstrafe verbot.
Als gegen 10.00 Uhr des 4. April das Gerücht umging, die Amerikaner seien im Anmarsch auf Ihringshausen, begab sich der damalige Bürgermeister Johannes Bickel mutig und entschlossen an den Rand des Ortes.
Unweit der Fabrikanlagen der damaligen Firma Altmann, durch die Kriegseinwirkungen langst zerstört, traf er auf amerikanische Soldaten. Ihringshausen wurde kampflos übergeben. Die Amerikaner forderten unverzüglich das Aushängen weißer Tücher als Zeichen der Loyalität gegen die Besatzungssoldaten. Der allgemeine Aufruf dazu hing alsbald direkt neben dem Aushang der Todesandrohung durch die deutschen Stellen aus den Vortagen. Am Eingang des Bürgermeisteramtes hängte der Besatzungsoffizier die weiße Fahne selbst auf. Für Ihringshausen war der Zweite Weltkrieg beendet, kampflos und ohne weitere Kriegshandlungen.
Bürgermeister Johannes Bickel, er wurde am 19.4.1877 geboren, trat am 1.9.1917, also wahrend des Ersten Weltkrieges, sein Amt als Bürgermeister von Ihringshausen an. Mit Tatkraft und Ideenreichtum ging er nach Ende des Krieges daran, für Ihringshausen vorbildliche kommunale Strukturen zu schaffen. 1920 wurde eine Ortssatzung für die Einrichtung einer eigenen gewerblichen Berufsschule verabschiedet. Die Schulträgerschaft lag damals bei der Gemeinde. 1922 sorgte er für die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. Die damalige Pflichtfeuerwehr erkannte er als ungeeignet, den Feuerschutz der Gemeinde wirksam wahrzunehmen.
Für ein vorbildliches Schulwesen sprach weiterhin, dass die von Johannes Bickel geleitete Gemeinde Ihringshausen im Jahre 1929 auf eigene Kosten zwei zusätzliche Lehrerstellen einrichtete, die von der preußischen Kultusverwaltung nicht besoldet wurden.
Seit den zwanziger Jahren galt Bürgermeister Bickel als ausgewiesener Fachmann für kommunales Verwaltungswesen. Zusammen mit hochrangigen Mitautoren wurde er Herausgeber zweier Standard-Werke über die preußische Kommunalverwaltung, die reichsweite Beachtung fanden.
Über die Mitgliedschaft in einer politischen Partei ist nichts bekannt geworden. Wohl aber stand er der nationalliberalen DVP nahe, deren Vorsitzender in der zwanziger Jahren der legendäre Reichsaußenminister und Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann war. Mit den Nationalsozialisten geriet er nach 1933 zwar mehrfach in Konflikt, dennoch verblieb er trotz gegenteiliger Androhungen unangefochten im Amt. Seine hochgeachtete Persönlichkeit schützte ihn wohl vor den Übergriffen des Willkürstaates. In Ihringshausen blieb der Bürgermeister die Führungsperson im Ort und nicht, wie vielerorts, der Ortsgruppenleiter. Lediglich der reguläre Eintritt in den Ruhestand, im April 1942 war er 65 Jahre alt geworden, wurde ihm während des Krieges nicht gestattet. Dieses erfolgte erst nach weiteren drei Jahren mit dem Ende des Krieges, dessen Ereignisse und Auswirkungen für Ihringshausen und seine Bürger von Johannes Bickel mit Akribie dokumentiert worden sind.
Nach der Einrichtung ihrer Besatzungsmacht setzten die Amerikaner 1945 zum Nachfolger den Werkmeister Heinrich Erkelenz als Bürgermeister in Ihringshausen ein, der dieses Amt dann bis 1958 innehatte. Seinen Lebensabend widmete Johannes Bickel umfangreichen Studien zur Geschichte von Ihringshausen. Das stattliche Ergebnis dieser jahrelangen, mit wissenschaftlicher Gründlichkeit betriebenen Arbeiten war im Jahre 1960 die Herausgabe einer über 400 Seiten umfassenden Chronik, die er "Ihringshausen - Die Geschichte eines Kasseler Vorortes" betitelte. Die Gemeinde Ihringshausen ernannte ihn wegen seiner großen Verdienste um den Ort bereits im Jahre 1952 zu ihrem Ehrenbürger. Johannes Bickel starb hochbetagt am 17.4.1970. Auf dem Ihringshäuser Friedhof erinnert heute ein schlichtes, leicht verwittertes Steinkreuz an eine bemerkenswerte Politiker-Persönlichkeit.
Herzlichen Dank an den Verfasser des Textes Herrn Hans-Hermann Trost

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HNA vom 01. 10. 2009 Ahne, Espe, Fulda

Erschütternde Berichte

Klaus Rösch erstellt eine Dokumentation zu Ihringshäuser Luftschutzräumen

Von Michael Schräer
Fuldatal. Auch über 65 Jahre später sind die Schilderungen noch erschütternd, meint Klaus Rösch. Die Berichte von Zeitzeugen aus Ihringshausen, die während des Zweiten Weltkriegs die Bombenangriffe auf den damals selbstständigen Ort erlebten, ließen die Menschen bis heute nicht los. Wo suchten sie damals Schutz? Im Bunker, in Stollen und Erdlöchern, sagt Rösch. Wo diese in Ihringshausen lagen, erforscht er derzeit. Und bittet all jene um Hilfe, die Hinweise und eigene Erlebnisse beisteuern können.
Am Ende soll eine Dokumentation erstellt werden, sagt das Mitglied vom Freundeskreis historisches Ihringshausen. In dieser soll das Wissen der älteren Menschen über die Schutzräume, sollen ihre Geschichten veröffentlicht werden, um sie zu bewahren. Er selbst könne zu jener Zeit "als junger Dachs, Jahrgang 1948, nichts beitragen" - außer jetzt die Informationen zusammenzutragen.
Ausgangspunkt seiner Nachforschungen zu den Luftschutzräumen war die Chronik, die der ehemalige Ihringshäuser Bürgermeister Johannes Bickel verfasst hat, "unsere Bibel", sagt Rösch. Darin wurde auf acht Stollen und einen Bunker verwiesen.
Die seien zum Schutz der Bevölkerung nötig gewesen, denn in der Zeit von 1940 bis 1945 fielen nicht nur auf das benachbarte Kassel, sondern auch auf Ihringshausen zahlreiche Bomben. Der Ort lag in der Einflugschneise auf die Rüstungs- und Garnisonsstadt Kassel, hatte mit der Kragenhöfer Brücke, der Munitionsanstalt des Heeres in Ihringshausen-West, dem Fliegerhorst Rothwesten eigene Angriffsziele. Und auf der nahen Hasenhecke gab es Soldatenunterkünfte und Flak-Stellungen.
Ihringshausen liegt über altem Grubengelände, schwere Bunker zu bauen, sei damals ein Problem gewesen, sagt Rösch. Daher konzentrierte man sich auf Stollen als Schutzräume. Die Einwohner gruben sie unter der fachlichen Hilfe von Bergwerksleuten in den Boden, stützten sie mit Balken ab und verkleideten sie mit so genanntem Schwartenholz. Ab 1943 sei von Amts wegen Baumaterial zur Verfügung gestellt worden.
Einen Bunker gab und gibt es allerdings in Ihringshausen. Sein Eingang ist deutlich zu sehen und befindet sich auf dem Gelände des Bauhofs. Er wurde von der Zeche Möncheberg errichtet mit einen Meter dicken Betonwänden und Eisenbahnschwellen als Dachstützen.
Kontakt: Zeitzeugen werden gebeten, sich bei Klaus Rösch zu melden, Tel. 05 61/81 97 79.